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Das gesamte Programm der Neuen Musik im Fläming 2026 kann aufgrund vieler ungeklärter Posten in der Finanzierung noch nicht veröffentlicht werden, aber eines steht fest:
Am 7. und 8. Februar gibt es in Weißenfels und Halle eine ungewöhnliche musikalische Begegnung, so eine Art Gipfeltreffen, nämlich die Uraufführung des Konzerts von Dietrich Eichmann für Orchester, Schlagzeug & Klavier mit dem Landesjugendorchester Sachsen-Anhalt.
Dirigent: Michael Wendeberg
Solisten: Jeff Arnal (Schlagzeug) und Dietrich Eichmann (Klavier)
7. Februar 2026 um 16 Uhr im Kulturhaus Weißenfels, Merseburger Str. 14, 06667 Weißenfels
8. Februar 2026 um 16 Uhr in der Konzerthalle Ulrichskirche, Christian-Wolff-Str. 2, 06108 Halle (Saale)
Eine Veranstaltung des Landesmusikrats Sachsen-Anhalt, unterstützt von Freunde der Neuen Musik im Fläming e.V.
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Nachdem das Bauhaus Weimar 1924/25 auf Druck des thüringischen Staates aufgelöst werden musste, erhielt Walter Gropius von der Stadt Dessau im März 1925 den Auftrag, einen Neubau zu entwerfen, der die Kunstgewerbe- und Handwerkerschule (ab 1926 Technische Lehranstalten) und das Bauhaus beherbergen sollte.
Zur Eröffnungsfeier des Bauhauses in Dessau im Dezember 1926 improvisierte der Komponist Stefan Wolpe (1902-1972) am Klavier zu einem Schattenspiel von Friedl Dicker, worauf in jüngerer Zeit Hinweise erschienen. Auch wenn die Musikwissenschaft Wolpes eigene Angabe, er habe zur Eröffnung vom Bauhaus Dessau ein Klavierwerk aufgeführt, meist als Erinnerungsfehler abtut – es gibt kein schriftliches Zeugnis von Wolpes Auftritt -, sind der belgische Pianist und Wolpe-Experte Johan Bossers und Dietrich Eichmann der Auffassung, dass Wolpe nicht irrt, sondern zum Schattenspiel der von ihm verehrten Friedl Dicker improvisierte.
Diese Annahme ist insofern interessant, als dass die Verbindungen des Bauhauses zum zeitgenössischen Musikschaffen recht vage blieben und nie offiziell Programm wurden. Stefan Wolpe war einer der wenigen Musiker, die sich in der gesamten Konzeption ihres Werkes ausdrücklich auf Ideen der Bauhaus-Schule beriefen.
Wolpe setzte sich bereits 1920-23 am Bauhaus Weimar, wo er eine Art Gasthörer-Status hatte, intensiv mit der Farbentheorie Johannes Ittens, der „Harmonisierungslehre“ von Gertrud Grunow, den Raumkonzepten Oskar Schlemmers und der „Analytischen Abstraktion“ von Klee, Kandinsky und Moholy-Nagy auseinander.
Er war einer der wenigen Komponisten, die die „spartenübergreifende“ Bedeutung der Bauhaus-Schule früh erkannten. Wie später John Cage und Iannis Xenakis, integrierte er visuelle und physische Konzepte in die Entwicklung seiner musikalischen Sprache. Unter seinen Zeitgenossen, die sich im wesentlichen durch literarische und rhetorische Konzepte inspirieren ließen, nimmt Wolpe damit eine singuläre Position ein.
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Zur Geschichte des Bauhauses gehören auch Schicksal und Wirken seiner Akteure in der Emigration.
Der 100. Jahrestag der Eröffnung des Bauhauses in Dessau gibt die Möglichkeit, in Stefan Wolpe einem der bedeutendsten Musiker, die dem Bauhaus-Denken verbunden waren, neue Aufmerksamkeit zu widmen, und diesem Denken, welches in der Musik über viele Generationen kaum eine Rolle spielte, mit der neuen Komposition von Dietrich Eichmann aus heutiger Sicht in aller Offenheit zu begegnen.
Erwähnt werden darf, dass Wolpe der erste klassische Komponist war, zu dessen Schülern neben z.B. Morton Feldman und John Cage auch bedeutende Jazzmusiker wie George Russell, Gil Evans und Tony Scott zählten. Charlie Parkers großer Wunsch war, von Wolpe ein Konzert für Orchester mit ihm als Solisten zu bekommen; dieser Wunsch konnte leider nicht realisiert werden.
Dietrich Eichmann hat, fußend auf seinen Erfahrungen als Improvisationsmusiker, erstmals 2002 mit Prayer to the Unknown Gods of the People Without Rights ein Werk für großes Ensemble und improvisierenden Solisten komponiert, das mehrere Aufführungen mit dem Free Jazz-Saxophonisten Peter Brötzmann (1941-2023) u.a. mit dem Ensemble Modern erlebte. Diese Konzeption des extremen pluralistischen Kontrapunkts, den er als Arbeit in „Polystrukturen“ bezeichnet, führt – aus anderer Quelle, aber ebenso konsequent wie das Bauhaus-Denken – unmittelbar zur Auffassung von Musik als räumlich-physische Skulptur. Der Ansatz lohnt die Weiterentwicklung.
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Mit dem amerikanischen Schlagzeuger Jeff Arnal verbindet Eichmann seit mehr als 20 Jahren eine musikalische Partnerschaft, in der freie Improvisation sich instinktiv kompositorisch strukturiert und so zu immer wieder überraschenden Ergebnissen führt.
In den letzten Jahren definierten Arnal & Eichmann ihre musikalische Zusammenarbeit zunehmend unter skulpturalen und farblichen Ansätzen und stellten ein gemeinsames Interesse an Stefan Wolpes Auffassung von Musik als physische Installation im Raum fest. So entwickelte sich die Idee einer Komposition für Orchester mit improvisierendem Duo Klavier & Schlagzeug.
Das Konzert für Orchester, Klavier & Schlagzeug besteht aus einer Anzahl komponierter Sektionen für ein Symphonieorchester, deren harmonisches und rhythmisches Material aus Form-, Farb- und Bewegungskonstellationen, sowohl vorgefunden auf dem Bauhaus-Gelände und im Bauhaus-Museum (objets trouvés) als auch inspiriert von Arbeiten Paul Klees und Oskar Schlemmers, generiert wurde.
Das Duo Schlagzeug & Klavier wird zeitweise „solistisch“ agieren, meist aber in direktem Dialog und Kontrast mit dem Orchester improvisieren. Der Dirigent hat die Möglichkeit, Fermaten und Tempi der komponierten Sektionen spontan auf die Improvisation des Duos reagierend zu variieren.
Dem Landesjugendorchester Sachsen-Anhalt (LJO) und seinem künstlerischer Leiter Michael Wendeberg gebührt großer Dank dafür, die Realisierung dieser Idee ermöglicht zu haben!

