Dietrich Eichmann, geboren 1966 in Erlangen und aufgewachsen in West-Berlin, erhielt als Jugendlicher ersten Klavierunterricht von Yoshiko Tatsumi und begegnete Alexander von Schlippenbach, der sein Lehrer und Mentor wurde. Wolfgang Neuss, den „Mann mit der Pauke“, zählt Eichmann neben Cecil Taylor, Bernd Alois Zimmermann, Luigi Nono und John Cage zu den wichtigsten Anregern seines Schaffens. 1986-92 studierte er Komposition bei Wolfgang Rihm in Karlsruhe. Er war Mitbegründer der Neuen Komponisten Gesellschaft e.V. (NKG), die 1990-96 Konzerte und Happenings in Karlsruhe und auf überregionaler und internationaler Ebene präsentierte. 1992-94 schloss er seine Studien bei Frederic Rzewski am Conservatoire Royal de Musique de Liège (Belgien) ab. Er gründete das CD-Label oaksmus und organisierte 2000-04 die gleichnamige Studiokonzertreihe in Berlin. Seit 2018 organisiert er auf dem Lande in Sachsen-Anhalt die Reihe „Neue Musik im Fläming“ (NMIF), die seit 2022 u.a. auch im Mausoleum Dessau stattfindet („Blow the Mausoleum“).

Hof-Lounge „Ludwig van!“ am 18.7.2020 (Foto © Reimar Volker)
Eichmanns kompositorisches Œuvre umfasst etwa 60 Werke aller Kategorien. 1995-96 entstand in Zusammenarbeit mit der Choreographin Stéphanie Aubin im Auftrag der Opéra de Lyon ein Ballett-Triptychon nach seiner Musik, das über 20 Aufführungen in Paris und Lyon erlebte. Zu seinen Hauptwerken zählen das 1999 durch das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg aus der Taufe gehobene Klavierkonzert Entre deux guerres, das Peter Brötzmann zugeeignete Konzert für Ensemble mit improvisierendem Solisten Prayer to the Unknown Gods of the People Without Rights (2002/06), die Musiktheater ATLAS (Kammeroper, 2013) und DsHsdrKrnkhtn (in Zusammenarbeit mit der Kontrabassistin Astrid Weins, 2014), sowie zahlreiche Kammermusikwerke, die in Zusammenarbeit mit außergewöhnlichen Solisten nicht nur zu Erweiterung der instrumentalen Möglichkeiten führten, sondern auch zu einer Erneuerung des Verhältnisses zwischen Komponist und Interpret, indem der letztere sich das komponierte Material mit der Intensität des improvisierenden Musikers, der seine eigene Musik kreiert, aneignet.
International ist Eichmann auch aktiv in der improvisierten Musik. Während seiner ersten USA-Tournee 2002 begann die erfolgreiche Duo-Arbeit mit dem amerikanischen Schlagzeuger Jeff Arnal. Das Duo gastierte u.a. im Goethe-Institut New York City, im Antwerpener Konzertsaal deSingel, im Sendesaal von Radio Bremen, auf dem Festival Improvised and Otherwise, Brooklyn 2005, im Exploratorium Berlin und bei den Rencontres musiques et littérature, Paris 2009.
Nach einer Pause ist das Duo seit 2023 wieder aktiv und konzertiert international. Eine neue LP erschien 2025.
Das Dietrich Eichmann Ensemble, mit dem Sänger und Elektronik-Spezialisten Gunnar Brandt-Sigurdsson, dem Saxophonisten Chris Heenan, dem Schlagzeuger Michael Griener, sowie den beiden Kontrabassisten Alexander Frangenheim und Christian Weber, war 2008 das erste Improvisationsensemble, das auf der PGNM-Tagung in Bremen gastierte, und beschritt neue Wege der „freien Improvisation“ in der Zusammenarbeit mit dem Londoner Art Rock Duo Walter & Sabrina. 2011 bis 2013 mehrere Russland-Tourneen mit den Musikern Sergey Letov, Alexei Borisov und Vlady Bystrov.
2019 entstand die Theatermusik zur Produktion WAND | LUNG des Tourneetheaters Figuro. 2021 kreierte er die Musik für das zehnteilige Hörspiel Rahel. Damit Sie mich kennen (RBB) von Christine Nagel zum 250. Geburtstag Rahel Varnhagens. Eichmann und Nagel setzten ihre Zusammenarbeit fort mit der Konzertinstallation Ende des Ungeschriebenen und dem Audiokunst-Werk Mandatum tradere (ORF) zum 100. Geburtstag der Schriftstellerin Ilse Aichinger, sowie dem Hörspiel Flog ein Vogel federlos (DLF/BR, 2024).
Ebenfalls 2024 komponierte und leitete Eichmann das „Wandelkonzert“ RUNDUM OPPIDUM durch den angrenzenden Wald und die gesamte Stadt Coswig (Anhalt) mit zwölf namhaften Solisten der Neuen und Experimentellen Musik und des Jazz.
Als Pädagoge gab Eichmann verschiedene Workshops und Lehrveranstaltungen zu Komposition und Improvisation an Schulen und Internaten. Er gestaltete umfangreiche pädagogische Projekte für Institutionen wie die Universität der Künste Berlin und MaerzMusik, die Education Abteilung der Berliner Philharmoniker, ohrenstrand.net und die Stiftung Genshagen.
Eichmann war Stipendiat der Darmstädter Ferienkurse, von one art Baden-Baden, der Heinrich-Strobel-Stiftung des Südwestfunks, der Senatsverwaltung für kulturelle Angelegenheiten Berlin, der International Music Omi Summer Residency, der Cité Internationale des Arts in Paris, der Zeitgenössischen Oper Berlin und wurde durch „Berliner Kompositionsaufträge“ gefördert. 2014/15 war er Gastkünstler am ZKM Karlsruhe. 2017 nahm er ein Residenzstipendium im Herrenhaus Edenkoben wahr. 2020 und 2024 war er Stipendiat der Kunststiftung Sachsen-Anhalt.
Seine Musik ist durch zahlreiche Rundfunkaufnahmen und Tonträgerveröffentlichungen international dokumentiert.
Seit ihrem Gründungsjahr 2004 ist Dietrich Eichmann Mitglied der Partei Die PARTEI. Zur Europawahl 2019 kandidierte er auf der so genannten Eichmann-Liste.
Neben Musik und der Frage nach ihrer gesellschaftlichen und politischen Notwendigkeit beschäftigen ihn dezentralistische Modelle partizipatorischer Demokratie und Permakultur.
– Portfolio mit vollständigem Werkverzeichnis (PDF)
– Werke von Dietrich Eichmann in der Edition Gravis: www.editiongravis.de
– Website, die bis 2012 aktualisiert wurde: www.dietrich-eichmann.de
Dietrich Eichmann im Gespräch mit Juliane Harberg
– Dietrich Eichmann im Gespräch mit Juliane Harberg in ihrem Podcast Oper & Leben
über die Reihe NEUE MUSIK IM FLÄMING 2020.
– Dietrich Eichmann, als Stipendiat der Kunststiftung Sachsen-Anhalt,
im Gespräch mit Niklas Rudolph (ab 19:20 min) für das Festival „KlangART Vision“, Halle 2021